Die Ausbildung zum Segelflieger beim Aero-Club Dachau e.V.

Der Aero-Club Dachau e.V. im Luftsport Verband Bayern e.V. besitzt die Berechtigung zur Ausbildung von Segelflugzeug- und Motorseglerführern.

Theoretische Ausbildung

Die Ausbildung zum Segelflugzeugführer gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Unterricht, der in den Wintermonaten in unserem Clubheim stattfindet, werden dem Flugschüler wichtige Kenntnisse in Luftrecht und Flugsicherheit, Technik, Meteorologie, Navigation, Human Factors sowie Verhalten in besonderen Fällen vermittelt. Das theoretische Wissen wird jeweils zusätzlich zu den praktischen Prüfungen durch Fragebögen im Verein geprüft. Der Abschluss der theoretischen Ausbildung ist die schriftliche Theoieprüfung zum Segelflugzeugführer, die vor der Landesluftfahrtbehörde abgehalten wird. Sie dauert ca. 4 Stunden und beinhaltet alle Themengebiete des Theorieunterrichts.

Zusätzlich muss noch ein Funksprechzeugnis abgelegt werden. Die praktische und theoretische Ausbildung erfolgt ebenfalls durch den Verein, die Prüfung erfolg durch eine Behörde. Es ist möglich, die Funkberechtigung sowohl in Deutsch, als auch in Deutsch und Englisch zu erlangen.

Vorraussetzungen für die praktische Ausbildung

Zudem benötigt jeder Flugschüler spätestens vier Wochen nach Ausbildungsbeginn ein fliegerisches Tauglichkeitszeugnis, das anerkennt, dass dem Schüler durch das Fliegen keine medizinische Gefahren entstehen können (z.B. bei Herz- und Kreislauferkrankungen) und dass der Schüler physisch zum Führen eines Flugzeuges geeignet ist (z.B. bei Beeinträchtigung der Sehfähigkeit). Das Zeugnis kann bei jedem Fliegerarzt gemacht werden.

Praktische Ausbildung

Die praktische Ausbildung ist in drei Abschnitte unterteilt, die mit der entsprechenden A-, B- und C-Prüfung abgeschlossen werden.

Zu Beginn erhält jeder Flugschüler eine Einweisung in das Verhalten auf dem Flugplatz und absolviert zusammen mit einem Fluglehrer seine ersten Starts im Schulungsdoppelsitzer, dem Bergfalken III. Während der ersten Flüge erhält der Flugschüler ein Gefühl, wie sich ein Flugzeug in der Luft bewegt und welche Auswirkungen die Betätigung der Steuerruder auf das Flugverhalten haben. Mit fortschreitender Startzahl kann der Flugschüler immer mehr Aufgaben, wie z.B. den Start, das Fliegen in der Platzrunde, die Einteilung des Landeanflugs sowie die Landung selbst übernehmen. Der Fluglehrer auf dem hinteren Platz zeigt dem Schüler die Flugmanöver und lässt ihn danach selbst die Steuerung übernehmen und unterstützt ihn dabei weiterhin. Dabei spricht er Fehler und Ungenauigkeiten des Schülers an und gibt ihm Verbesserungsvorschläge.

Wenn sich der Fluglehrer sicher ist, dass der Flugschüler die entsprechende Reife hat, folgt nun das erste große Ereignis während der Ausbildung: der erste Alleinflug. Nach drei Alleinflügen in der Platzrunde ist die A-Prüfung bestanden und der erste Ausbildungsabschnitt somit beendet.

Im nächsten Abschnitt werden die Flugfähigkeiten vertieft und erweitert. Nach einigen Starts mit dem Schulungsdoppelsitzer im Alleinflug wird der Schüler an neue Flugzeuge herangeführt, zuerst an einige Holz- später auch an Kunststoffflugzeuge. Während seiner Flüge wird der Schüler weiterhin vom Fluglehrer vom Boden aus beobachtet und vor eventuellen Gefahren gewarnt. Dabei darf der Schüler den Sichtbereich des Fluglehrers nicht verlassen, zudem erfordert jeder Start einen mündlichen Flugauftrag. Mit Absolvierung der B-Prüfung, d.h. Kreisflug mit verschiedener Längs- und Querneigung schließt der Flugschüler den zweiten Ausbildungsabschnitt ab.

Im letzten Ausbildungsabschnitt wird der Schüler durch gemeinsame Flüge mit einem Fluglehrer im Doppelsitzer an den Streckenflug herangeführt. Die Flüge können auch über die Platzgrenzen hinausführen und erhalten als Lernprogramm das Fliegen nach Kompasszahlen, meteorologische Aspekte des Streckenflugs sowie Navigation anhand terrestrischer Merkmale.

Außerdem lernt der Schüler anspruchsvollerer Flugmanöver, wie die hochgezogene Fahrtkurve und den Seitengleitflug; die bisherigen Fähigkeiten werden noch einmal in gemeinsamen Flügen mit Fluglehrer überprüft.

Die C-Prüfung schließt den letzten Ausbildungsabschnitt ab.

Scheinerwerb

Nach erfolgreicher theoretischer Segelflugprüfung, die von der Landesluftfahrtbehörde gestellt wird, muss der Schüler einen Streckenflug von mindestens 50 km absolvieren. Hierzu erhält er vom Fluglehrer einen schriftlichen Flugauftrag und darf nun auch außer Sichtweite des Platzes fliegen und diesen verlassen.

Ist auch dieser erfolgreich bestanden, ist der Flugschüler für die Scheinprüfung zugelassen. In mehreren Prüfungsflügen mit einem amtlich bestellten Prüfer im Doppelsitzer, in denen die Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Ausbildungsprogramm geprüft werden, muss der Schüler sein Können unter Beweis stellen. Erfolgen die Prüfungsflüge sicher und ohne großen Fehler und wenn der Prüfer mit den Leistungen zufrieden ist, erhält der Schüler nun seine Lizenz zum Segelflugzeugführer.

Nach absolvierter Segelflugausbildung besteht die Möglichkeit, den Motorseglerschein zu erwerben.

Segelfliegen im Aero-Club Dachau e.V.

Im Aero-Club Dachau e.V.erfolgt die Ausbildung im Rahmen des Vereinsflugbetriebs. Die Fluglehrer sind ehrenamtlich tätig, sowie alle anderen Personen die nötig sind, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.

Dadurch ist das Segelfliegen im Verein mit erheblichem Zeitaufwand verbunden, da alle anfallenden Arbeiten wie z.B. die Organisation des Flugbetriebs, Instandhaltung des Fluggeländes und der Flugzeuge von den Vereinsmitgliedern selbst übernommen werden. Im Vergleich zu einer Flugschule dauert die Ausbildung zwar länger, ist jedoch nur mit einem Bruchteil der Kosten verbunden.

Von unseren aktiven Mitgliedern erwarten wir viel Engagement und Leistung, doch wer mit vollem Einsatz dabei ist, hat dafür die Möglichkeit, den Segelflugschein schon im zweiten Jahr der Ausbildung zu erwerben.


1.1.2006
Text: Valentin Faust