Streckenflug - Das Abenteuer

Hat der Segelflieger mit dem Erhalt seines Flugscheines die Berechtigung zum selbständigen Fliegen erhalten, wartet gleich schon wieder eine, wenn nicht die Herausforderung auf ihn: Der Streckenflug.

Der Grundgedanke ist, mit seinem Segelflugzeug nicht an die Umgebung des Startflugplatzes gebunden zu sein, sondern Landschaften und Gegenden in einem viel größerem Umkreis kennzulernen. Stets im Hinterkopf behält man dabei den Gedanken, von den Eckstationen des Fluges auch wieder mit Sonnenenergie nach Hause zu kommen. Um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, ist einiges an Flugtaktik erforderlich, um während des Fluges die richtigen Aufwinde zu wählen, die das "Heimkommen" sicherstellen.

Um dieser Art der Fliegerei einen gewissen sportlichen Charakter zu verleihen, ist es üblich, die während eines Fluges angeflogenen Punkte vorher festzulegen. Um hier eine geschickte Auswahl zu treffen, zahlt es sich aus, wenn man aus dem morgendlichen Wetterbericht möglichst viele Informationen über die Aufwindsituation des Tages erfährt.

Die Streckenflüge der Dachauer Segelflieger führen sie üblicherweise nach Nord-Westen auf die Schwäbische Alb, die als hervorragendes Fluggebiet bekannt ist. Flüge bis an den Schwarzwald im Westen und bis an den Bayerischen Wald im Osten wurden schon durchgeführt und zeigen sowohl die Größe des Fluggebietes, als auch die Größe der einzelnen Strecken. Man muss sich schließlich vor Augen halten, dass diese Flüge, deren Streckenlängen bis an die 600km herranreichen, nur durch Inanspuchnahme der Termik durchgeführt werden.

Ein weiteres fliegerische Highlight, das die Dachauer Piloten erleben können, sind Flüge in die Alpen. Hier bietet sich bei schönem Wetter ein unvergleichliches und auch unvergeßliches Panorama.

Im Aero-Club Dachau e.V. wurde, insbesondere in den vergangenen 15 Jahren, durch eine konsequente Modernisierung des Segelflugzeugparks ein großer Anreiz geschaffen, sich mit der Streckensegelfliegerrei zu beschäftigen. Neuere, leistungsfähigere Segelflugzeuge ermöglichen sehr schnelle und motivierende Erfolgserlebnisse. Zum Vergleich: Hatte 1989 das beste Segelflugzeug des Vereins noch ein Gleitverhältnis von 1:36 (kommt also mit 1000m Höhe 36km weit), so verfügen wir im Jahr 2005 über Flugzeuge, die 1:46 erreichen. Dieser Umstand sowie die Konsequente Unterstützung der Nachwuchspiloten führten beim Aero-Club Dachau e.V. zu einem wahren Streckenflugboom. Dieser gipfelte bisher in eine Jahresleistung der Dachauer Piloten von ca. 37.500 km (Quelle DMSt 2005).

Eine für den Aero-Club Dachau e.V. recht neue Entwicklung ist die verstärkte Teilnahme der Piloten an Wettbewerben. Hier ist das Ziel, eine vorgegebene Flugstrecke, im direkten Vergleich mit anderen Piloten möglichst schnell zurückzulegen. Natürlich muss dokmentiert werden, dass diese Strecke auch tatsächlich geflogen wurde. Etwa seit dem Jahr 2000 bedient man sich der Satelliten-Navigation (GPS), die es ermöglicht, anhand vieler während des Fluges gesammelter Positionsinformationen nach dem Flug die geflogene Strecke am Computer auszugeben. Mit Hilfe einer barometrischen Höhenmessung kann man so auch den Höhenverlauf des Fluges kontrollieren.

Sollten sich aber tatsächlich einmal während eines Streckenfluges die Aufwindverhältnisse so stark verschlechtern, dass man keinen Flugplatz mehr erreichen kann, hat man immer noch die Möglichkeit, auf einer Wiese oder einem abgeernteten Acker zu landen. Da die Vorbereitung auf eine solche Landung zur Ausbildung gehört, handelt es sich nicht, wie es fälschlicherweise oft genannt wird, um eine Notlandung, sondern um eine Außenlandung. Der Pilot benachrichtigt dann einfach seine Vereinskammaraden, die dann das Flugzeug in einem passenden Transportanhänger zurückholen. Die Erfahrungen und Bekanntschaften, die man bei Außenlanungen machen kann, tragen auch ein wenig zum Reiz der Streckenfliegerei bei.

Man sieht also: Der Streckenflug verlangt einiges vom Piloten, bietet aber um so mehr an Flugspaß und wunderbaren Erfahrungen. Die Vielschichtigkeit durch verschiedene Wetterlagen ist überwältigend, denn jeder Flug ist anders, selbst in schon bekannten Gegenden.


15.1.2006
Text: Olaf Heinzinger