Rekordsegelflug

Schon in den Anfängen des Segelflugs strebten die Piloten danach, immer länger in der Luft zu bleiben, immer höher und auch immer weiter zu fliegen.
Die ersten Segelflugzeuge machten daraus auch recht anspruchsvolle Ziele. Der Sitz war nicht mehr als ein Holzbrett und der Flügel kaum aerodynamisch günstiger als ein Biertisch. Dem entsprechend waren die ersten Rekorde aus heutiger Sicht kleine Schritte, aber am Anfang des 20. Jahrhunderts war schon eine halbe Stunde in der Luft zu bleiben, ohne zu landen eine Sensation.
Die Flugzeuge entwickelten sich weiter, und auch die Piloten begannen allmählich zu verstehen, wie und wo die Aufwindsysteme (Thermik) zu finden waren. Die Langzeitrekorde wurden oft an Hängen erflogen, wo der Wind durch den Hang umgelenkt und so zum Aufwind wurde. In den 50er Jahren wurden Flüge über 20 Stunden und mehr erflogen. Bald war weniger das Geschick des Piloten gefragt, als viel mehr seine Ausdauer, nicht einzuschlafen. Es kam zu Unfällen und die internationale Kommission (FAI) beschloss, diese Rekordart nicht mehr weiter zu führen. Den längsten Segelflug der Geschichte führte Charles Atger aus Frankreich am 02. April 1952 durch. Er blieb sensationelle 56 Stunden in der Luft ohne zwischenzeitlich zu landen.

Auch immer größere Höhen wurden mit dem Segelflugzeug erreicht. Die damals bekannten Aufwinde unter Cumuluswolken (Schäfchenwolken) waren allerdings nur bis zur Wolke selbst nutzbar. Aber mit der Entdeckung von speziellen dynamischen Aufwindsystemen (Wellensysteme) konnten die Pioniere über dem Hochgebirge deutlich größere Höhen erreichen. Während Wolkenthermik in Europa etwa bis 4000 m über dem Meeresspiegel (NN) reicht, kamen Segelflieger im Gebirge in Wellenaufwinden auf 7.000 m und mehr. Der Höhenweltrekord liegt momentan bei 15453 mNN und wurde am 29. August 2006 von Steve Fossett und Einar Enevoldson in einer speziell dafür modifizierten DG505 aufgestellt.
Dass der Mensch für diese Höhen eigentlich nicht geschaffen ist, liegt nahe, und solche extremen Umweltbedingungen erfordern eine sorgfältige Planung. Wegen der dort nicht ausreichenden Atemluft muss eine Sauerstoffanlage mitgeführt werden. Und die extreme Kälte (ca. -50°C) erfordert besondere Schutzmaßnahmen. 2002 nahm Steve Fossett, der als erster Mensch die Erde allein in einem Heißluftballon umrundete und den Ärmelkanal schwimmend durchquerte, diese Herausforderung an und startete das "Perlan-Projekt". Ziel ist das Erreichen von 100.000 Fuß Höhe (ca. 30.000 m !!). Im doppelsitzigen Segelflugzeug, wie Jetpiloten mit Druckanzügen ausgerüstet, wurden bei ersten Versuchen bereits 30.000 Fuß erreicht. Die Rekordjagd geht weiter (nähere Infos unter www.firnspiegel.com/perlan/).

Eine Herausforderung, die viele Segelflugpiloten nicht mehr loslässt, ist der Streckenflug. Die ersten größeren Strecken wurden bereits Ende der 20er zurückgelegt. Am 30. Juli 1929 legte der Österreicher Robert Kronfeld mit seinem Flugzeug "Vienne" eine Strecke von 150 km zurück. Großes Aufsehen erregten 1963 die drei deutschen Piloten Karl Bezler, Otto Schäuble und Rudolf Lidner. Von ihrem Startplatz Hahnweide in der schwäbischen Alb bei Kirchheim a.d. Teck starteten sie am 2. Juni zu einem Flug Richtung Westen, der erst nach zurückgelegten 876 km in Saint Nazaire in Frankreich zu Ende sein sollte.
Eine wirklich unglaubliche Leistung aber erbrachte Hans-Werner Grosse im April 1972. Er startete mit seinem Segelflugzeug ASW12 in Lübeck und flog non-stop bis Biarritz an der französischen Atlantikküste. Dieser Streckenflug mit 1.461 km an einem Stück ohne Wendepunkt ist bis heute ungeschlagen!
Die größte Strecke im Segelflug überhaupt erreichte der Deutsche Klaus Ohlmann am 21.01.2003 in den argentinischen Anden. Er flog an einem Tag 3.008 km um drei Wendepunkte und landete nach über 16 Stunden mit seinem Hochleistungssegelflugzeug "Schempp-Hirth Nimbus 4 DM" (mehr nachzulesen unter: www.mountain-wave-project.de).


25.2.2007
Text: Valentin Faust und Matthias Lederer